Fischerei

In den ersten Jahrhunderten nach der Landnahme war Island ein Agrarland. Nachdem Seuchen wie Pocken und Pest sowie Missernten zu Hungersnöten und Verelendung weiter Teile der Bevölkerung gesorgt hatten, orientierte sich die isländische Wirtschaft verstärkt auf den Fischfang. Dieser wurde jedoch von der dänischen Kolonialherrschaft 1162 stark eingeschränkt. Den Isländern war es untersagt, mit größeren Booten zu fischen, zudem durften die vier Wirtschaftsregionen der Insel keinen Handel untereinander treiben. Erst 1854 wurde das dänische Handelsmonopol aufgehoben.

Dies ist bis heute so geblieben, rund 60 Prozent der Exporteinnahmen stammen aus der Fischereiwirtschaft. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Isländische Fischerei einen Aufschwung. Mit dem zweiten Weltkrieg war das Land das einzige in Europa, in dem noch Meeres-Fischfang möglich war. Mit den Erlösen wurde die Flotte modernisiert.
Schrittweise erweiterte Island seine Fischereizone von vier auf 200 Seemeilen, was einer Fläche von 758.000 Quadratkilometern entspricht. Das Land untersagte anderen fischenden Nationen den Kabeljaufang in der Fischereizone, darunter Großbritannien und Russland. Dies führte in den Jahren 1952 bis 1975 zu den so genannten Kabeljaukriegen mit Großbritannien. Mitte der 1990er Jahre gingen die Bestände an Hering deutlich zurück, was zu Auseinandersetzungen zwischen Island und Norwegen führte. Die norwegische Küstenwache beschoss isländische Trawler vor Spitzbergen. In den heimischen Gewässern wurden die Heringsbestände in manchen Jahren so drastisch reduziert, das auch nun in verschiedenen Jahren Fangquoten zum Schutz der Bestände beachtet werden müssen.

Größter Abnehmer ist die EU

Rund zehn Prozent der isländischen Beschäftigten oder 9000 Menschen arbeiten in der Fischindustrie und Fischerei und erwirtschaften elf Prozent des direkten Brutooinlandsproduktes, beziehungsweise ein Viertel unter Einbeziehung der indirekten Effekte. Im Jahr 2012 entsprach das einem Export von Meeresfrüchten im Wert von 1,7 Milliarden Euro. Die Tendenz ist steigend. Rund die Hälfte der Exporte wird tiefgefroren exportiert, zu drei Viertel ist die EU der Abnehmer der isländischen Fänge, größter Einzelabnehmer ist Großbritannien.
Island liegt auf der Rangliste der größten Fischereinationen auf Platz 19, damit stammen 1,2 Prozent des weltweiten Fangs aus Island. Die jährliche Fangmenge liegt zwischen 1,5 und zwei Millionen Tonnen. Neben Heringen und Kabeljau werden auch Rotbarsch, Schellfisch und Heilbutt gefangen. Lachs und Meerforellen werden zudem in Aquakultur gezüchtet, ebenso wie Austern und Miesmuscheln.
Entscheidungen über die Festsetzung von Fangquoten werden auf der Grundlage von wissenschaftlichen Empfehlungen des Icelandic Marine Research Institute getroffen, das auch die tatsächlichen Fangmengen überwacht. Anhand von Quoten verkaufen isländische Fischer den Fang bereits vor dem tatsächlichen Fang. Das Quotensystem hatte 2008 zur Verschärfung der Finanzkrise geführt.

Walfang

Island hat im Jahr 2003 den Fang von Zwerg- und Finnwalen wieder genehmigt, was dem Inselstaat harsche internationale Kritik eingebracht hat. Kritik kam auch aus dem Land selbst, weil die Tourismusindustrie jährlich bis zu 200.000 Gäste zählt, die Angebote von Walbeobachtungstouren wahrnehmen – der Walfang würde dieses Geschäft mit den Touristen beeinträchtigen. Hvalur hf ist Islands dabei größtes Walfangunternehmen in Island und das einzige, das auch große Finnwale jagt.
Das Fleisch wird vornehmlich nach Japan exportiert, wo es bis 2013 zu Hundefutter verarbeitet wurde. Das Unternehmen wird von Kristján Loftsson geleitet, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender von HB Grandi ist. Die Fischmanufaktur Deutsche See GmbH in Bremerhaven ist ein Hauptabnehmer der übrigen HB Grandi-Produkte.
Obwohl Hvalur bis 2018 von der Regierung eine jährliche Fangqoute von 154 Finnwalen zugeteilt bekommen hatte, wurden im Jahr 2016 keine Finnwale mehr getötet. Geschäftsführer Loftson begründete den Verzicht, dass die Einfuhrbedinungen in Japan schikanös und mit endlosen Hindernissen behaftet seien. Wenn er das 2009 bereits gewusst ghätte, hätte er den Walfang nicht wieder aufgenommen. Finnwalfleisch wird in Island nicht konsumiert. In den Kühlhäusern in Japan und Island lagern seit Jahren mehrere Tausend Tonnen Finnwalfleisch, die keine Abnehmer finden.
Hrefnuveiðimenn (Icelandic Minke Whalers Association) und die Útgerðarfélagið Fjörður sind ebenfalls im Walfang tätig und jagen Minkwale. Diese zweite isländische Walfangquote umfasst den Fang von jährlich 229 Minkwalen ausschließlich für den lokalen Markt.
Die Tiere werden direkt an Bord der Walfang-Schiffe verarbeitet, indem die essbaren Teile heraus geschnitten und der Rest als Beifang über Bord geworfen wird.

Walfleisch vor allem für Touristen

Das Fleisch der Minkwale wird in Restaurants und Fischmärkte zu knapp der Hälfte von ausländischen Touristen gekauft und konsumiert. Gleichzeitig üben vor allem internationale Umweltschutzverbände heftige Kritik am isländischen Walfang.