Finanzkrise

2008 wurde Island von einer Finanzkrise gebeutelt, die Staatspleite konnte nur knapp verhindert werden.  Die isländische Krone verlor die Hälfte an Wert, die Inflation stieg auf 18 Prozent. Aktienkurse fielen, Unternehmen gingen pleite, und die Inflation stieg auf über 18 Prozent. ie drei größten Banken, Kaupthing, Glitnir und Landsbanki, brachen zusammen: Ihre Bilanzsummen waren in den Wachstumsjahren zuvor auf das Zehnfache des Bruttoinlandsprodukts angewachsen.  Nachdem der isländische Bankensektor 2008 kolabierte, wurden die Großbanken verstaatlicht – und schließlich in die Insolvenz entlassen.

Hemmungsloser Expansionsdrang

Die Isländer warfen ihrer Regierung unter Premierminister Haarde vor, zu lange untätig den hemmungslosen Expansionsdrang isländischer Banken und Unternehmen geduldet zu haben. Die Banken hatten die Auslandsexpansion größtenteils mit Krediten finanziert und so den Kollaps befördert.

Während der Kochtopfrevolution ging die Bevölkerung wochenlang protestierend auf die Straße. Dann gab die Koalition aus konservativer Unabhängigkeitspartei und Sozialdemokraten den Forderungen der Demonstranten nach vorgezogenen Neuwahlen nach. Auch Handelsminister Björgvin Sigurdsson trat zurück, nachdem er zuvor die Leitung der staatlichen Bankenaufsicht entlassen hatte.

Um die drohende Staatspleite abzuwenden, stellte der Internationale Währungsfonds einen Kredit von 2,1 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, weitere 2,7 Milliarden kamen aus anderen Quellen. Bereits 2011 stellte der Währungsfonds fest, dass es Island dank einer tragfähigen Finanzpolitik gelungen war, den Bankensektor neu zu strukturieren und die Isländische Krone wieder zu stabilisieren. Während inländische Sparer mit ihren Forderungen hinten an gestellt wurden, erhielten ausländische Sparer keine Entschädigungen: Rund 85 Milliarden Euro stehen an Rückzahlungen aus. Das führte insbesondere in England und den Niederlanden zu heftigen Protesten, doch zwei Volksentscheide bestärkten die Regierung in ihrer Haltung. Um die Finanzlage zu stabilisieren, setzte Island auf eine verschärfte Steuerprogression, so dass hauptsächlich die wohlhabendere Bevölkerung in Anspruch genommen wurden.

Wohlfahrtsstaat blieb erhalten

Der Wohlfahrtsstaat blieb weitgehend erhalten. Während die Steuern um 45 Prozent erhöht wurden, wurden die Ausgaben um etwa die Hälfte gekürzt. Durch wieder eingeführte Kapitalverkehrskontrollen wurde der Verfall der Krone und der Abfluss von Finanzen ins Ausland gestoppt. Trotz aller Maßnahmen haben die Isländer einen Kaufkraftverlust von rund 30 Prozent erlitten, die Arbeitslosenquote stieg auf acht Prozent, die Zahl der Insolvenzen auf Rekordniveau.
Verluste wurden allerdings nicht wie anderswo im europäischen Ausland sozialisiert. Die soziale Ungleichheit ist seit der Finanzkrise sogar zurückgegangen. Eine Untersuchungskommission forschte nach Ursachen und Verursachern. Die Namen von Politikern und Managern, die sich Verfehlungen schuldig gemacht hatten, wurden öffentlich genannt, ein 2300 Seiten starkrn Untersuchungsbericht zur Finanzkrise wurde unter anderem von isländischen Schauspielern öffentlich verlesen. Die Regierung konnte den Einbruch des Bruttoinlandsprodukt auf zehn Prozent begrenzen. 2015 war das frühere BIP-Niveau mit 8,3 Milliarden Euro wieder erreicht. Die Banken agieren nach ihrer Rekapitalisierung vor allem auf dem Binnenmarkt. Allerdings dauert die Entschuldung von Privathaushalten sowie kleinerer Unternehmen nach wie vor an.

Die Isländer müssen allein für Zinszahlungen rund 30 Prozent ihres Einkommens aufwenden. Eine Einigung im Schuldenstreit mit ausländischen Gläubigern steht ebenfalls nach wie vor noch aus.